Klimawandel in Lahr
Klimawandel in Lahr - Symptome und Maßnahmen
In den Basiskursen Geographie beschäftigt man sich in der JS1 überwiegend mit dem Thema „Klimawandel”. Ein Unterrichtsprojekt mit direktem Bezug zu Lahr und öffnete den Blick dafür, was vor Ort sichtbar und spürbar ist. Im zweiten Kurshalbjahr der Jahrgangsstufe 1 wird in den Basiskursen Geographie das Thema „Klimawandel“ sehr ausführlich behandelt. Freilich wer den die atmosphärenphysikalischen Grundlagen ebenso betrachtet wie die vielfältigen Symptome des Klimawandels, einschließlich der Argumente der so genannten Klimaskeptiker. Vieles, was in den Lehrbüchern steht, ist auf die globale Maßstabsebene bezogen. Manchmal gibt es lokale oder regionale Beispiele, zu denen die Schüler nur einen geringen Bezug haben. Wie sieht es aber in Lahr aus? Wie nehmen die Einwohner den Klimawandel wahr? Gibt es Verhaltensänderungen in Sachen Heizen, Verkehr oder Energie? Das wollten wir herausfinden.
Zu diesem Zweck wurde eine auf drei Doppelstunden angelegte Projektarbeit aufgelegt. Vorgegeben war lediglich, dass die Projektarbeit in Kleingruppen stattfinden wird und jede dieser Kleingruppen drei Blöcke im Praxisteil durchlaufen soll, nämlich „Rundgang“ (messen, auswerten, kartieren), „Beobachtung“ und „Interview“. In der ersten Doppelstunde wurde sodann erarbeitet, was man in verschiedenen Kategorien überhaupt messen bzw. kartieren, beobachten und fragen wollte. Gleichzeitig war zu klären, wen und wo man interviewen wollte und was sich in der vorgegebenen Zeit umsetzen ließe. Dass mancher Vorschlag den zeitlichen und organisatorischen Rahmen sprengen würde, war ebenso eine Erfahrung, wie auch die Notwendigkeit, dass seitens der Lehrkraft der ein oder andere steuernde Impuls erfolgen musste. Eine Woche später, in der zweiten Doppelstunde, ging es dann in die Lahrer Innenstadt. Sechs Kleingruppen schwärmten an zuvor definierten Punkte aus bzw. bewegten sich auf durchdachten Routen. Man kartierte beispielsweise Grünflächen und Bäume, nahm Temperaturmessungen über verschiedenen Oberflächen vor und erfasste Fassadenbegrünungen und Balkonkraftwerke. Auch öffentliche Mülleimer (Mülltrennung ja/nein?), Spielplätze und Verweilmöglichkeiten ohne Verzehrzwang wurde aufgenommen. So wollte man etwas über den Versiegelungsgrad, die Aufenthaltsqualität inklusive Beschattung und die Mülltrennung herausfinden. Bei der Frage nach hitzeresistenten Baumarten zeigte sich dann allerdings Nachholbedarf, denn die Erkennung von Bäumen bewältigte der Mensch eher mangelhaft, die KI auch nur mit Schwächen. Beobachtet wurde über einen Zeitraum von 15 Minuten auch ganz Verschiedenes. So zum Beispiel Ampelschaltungen (Vorrang für Fußgänger und Radfahrer?), den Modal-Split (welche Verkehrsmittel) anzutreffen waren, erfasste den Parkraum und dessen Kostenstruktur. Auch welche Art von Tragetüten, -beuteln oder Rucksäcken man bei einkaufenden Personen sehen konnte, war von Interesse und in einem Bekleidungsgeschäft wurde nach der Herkunft der Kleidungsstücke recherchiert.
Schließlich wurden mehrere Interviews geführt. Wie man zur Arbeit komme, ob man regional oder saisonal einkaufe, wie man heize und ob man auf die Herkunft von Kleidung achte. Und natürlich: Ob man den Klimawandel in Lahr wahrnehme und wodurch. Die Doppelstunde verging natürlich viel zu schnell. Methoden der empirischen Sozialforschung konnten dabei zwar ansatzweise angewendet, aber kaum hinterfragt werden, dafür war die Zeit einfach zu knapp. Im Normalfall müsste man sich schon vorher sehr genau überlegen, wie viele Personen man befragen möchte und nach welchen Kriterien man die Personen überhaupt auswählen will. Diese Inkonsistenz nahmen wir jedoch in Kauf, denn es ging ja in erster Linie um die Praxiserfahrung und den direkten Dialog mit den Menschen in Lahr. Außerdem wurde so auch gleich die Sensibilität dafür erhöht, dass man Befragungen eben nicht einfach mal so auf die Schnelle durchführen kann, sofern das Ganze einer gewissen wissenschaftlichen Methode folgen soll und am Ende ein repräsentatives Ergebnis zutage fördern soll.Schließlich stand in der letzten Doppelstunde, wiederum eine Woche später, die Aufarbeitung und Darstellung auf dem Programm. Ergebnisse sollten visualisiert und in einer kleinen Ausstellung im Atrium der Schulöffentlichkeit gezeigt werden. Dafür wurden die Daten in Grafiken umgemünzt, Plakate beschriftet und gezeichnet. Die am Praxistag angefertigten Fotos komplettierten schließlich die ausgestellten Übersichten.
Die Projektarbeit war insgesamt ein lohnendes Unterfangen. Sie hat denlokalen Bezug eines ansonsten oft als abstrakt wahrgenommenen Themas hergestellt und das Auge für viele Symptome, aber auch Maßnahmen und Anstrengungen der Stadt und ihrer Bewohner vor Augen geführt - und zwar so, wie es wohl kein Schulbuch vermag.
Martin Geier