Zeitzeugenvortrag von der Kippenheimer Ehrenbürgerin Inge Auerbacher
Fr., 06.02.2026, 11:30-13:00 Uhr: Zeitzeugenvortrag von der Kippenheimer Ehrenbürgerin Inge Auerbacher am Max-Planck-Gymnasium Lahr in Kooperation mit der Ehemaligen Synagoge Kippenheim
Im Rahmen der Bildungspartnerschaft zwischen der Ehemaligen Synagoge Kippenheim und dem Max-Planck-Gymnasium Lahr findet ein Zeitzeugenvortrag von Inge Auerbacher eingeladen am Freitag, den 6. Februar 2026, von 11:30 – 13:00 Uhr in der Aula des Max-Planck-Gymnasiums Lahr für alle Lernenden der Klassen 9-12 sowie die Öffentlichkeit statt.
Als letztes jüdisches Kind in Kippenheim wurde Inge Auerbacher am 31. Dezember 1934 in der Poststraße Nr. 20 geboren, unweit der Synagoge. Ihre ersten Lebensjahre verbrachte sie im Hause ihrer Eltern, dem Textilhändler Berthold Auerbacher und dessen Ehefrau Regina. Am 11. November 1938 wurde ihr Vater, der im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden war, zusammen mit anderen jüdischen Männern des Ortes mehrere Wochen im KZ Dachau inhaftiert.
Beim Novemberpogrom (9./10. November 1938) war Inge Auerbacher erst drei Jahre alt, aber ihre Erinnerungen daran sind immer noch sehr lebendig. In dieser Nacht wurden alle Fenster des Hauses eingeworfen und die Synagoge stark beschädigt. Die Nationalsozialisten verhafteten ihren Großvater beim Morgengebet in der Synagoge. Gemeinsam mit ihrem Vater wurde er ins Konzentrationslager nach Dachau verschleppt und erst einige Wochen später wieder entlassen.
Danach betrieb Inges Familie die Auswanderung, verkaufte ihr Haus und zog Anfang 1939 zu den Großeltern väterlicherseits in das schwäbische Dorf Jebenhausen bei Göppingen. Trotz aller Bemühungen um ein ausländisches Visum war es der Familie nicht gelungen, aus Nazi-Deutschland herauszukommen. Wie fast alle württembergischen Kinder musste die Sechsjährige die jüdische Schule in Stuttgart besuchen und jeden Tag eine einstündige Zugfahrt auf sich nehmen. Nach einem halben Jahr, mit Beginn der Deportationen aus Württemberg, wurde die Schule aufgelöst. Am 24. August 1942 brachten die Nationalsozialisten Inge mit ihren Eltern und vielen anderen württembergischen Jüdinnen und Juden in die Sammelhalle am Stuttgarter Killesberg. Von dort aus wurden sie in das heute in Tschechien gelegene Konzertrationslager Theresienstadt verbracht. Inge Auerbacher war mit ihren sieben Jahren die Jüngste der über 1200 Gefangenen. In ihrer 1992 erschienenen Autobiografie „Ich bin ein Stern“ berichtet sie aus der Perspektive eines Kindes von ihrer Leidenszeit im Lager: dem allgegenwärtigen Hunger, den grassierenden Seuchen und Krankheiten, den quälenden Flöhen und Läusen – und vor allem von der ständigen Todesangst, beim nächsten Transport nach Auschwitz dabei zu sein. „Ich bin ein Stern“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt.
Am 8. Mai 1945 befreiten russische Truppen Theresienstadt. Inge Auerbacher gehörte zu dem einen Prozent der überlebenden Kinder des Lagers. Auch ihre Eltern hatten überlebt. Die Familie kehrte nach Jebenhausen zurück und erfuhr vom Tod der meisten Verwandten ihrer großen Familie. Im Mai 1946 emigrierten die Auerbachers nach New York. Die Jahre der Unterernährung hatten ihrer Gesundheit nachhaltig geschadet und sie musste zwei Jahre im Krankenhaus verbringen. Trotz der traumatischen Erlebnisse ihrer Kindheit in Deutschland und in Theresienstadt, gelang es ihr, Ihre Verbitterung zu überwinden und einer wichtigen Berufung zu folgen: Sie wurde Botschafterin der Aussöhnung, der Toleranz und des Friedens. Unermüdlich reist sie auch heute noch innerhalb der USA, in ihrer alten Heimat Süddeutschland, aber auch in Tschechien oder Polen. Überall begegnet sie Schulklassen, Jugendgruppen, Verbänden und kirchlichen Gruppen und berichtet in Vorträgen aus ihrem Leben. Sie blickt nicht nur zurück, sondern erzählt auch von ihrer Vision von einer Welt ohne Hass, Gewalt und Intoleranz.
Ein besonderer Höhepunkt in Inge Auerbachers Leben war die Einladung, am 27. Oktober 2022 anlässlich des nationalen Holocaust-Gedenktages im Deutschen Bundestag die Gedenkrede zu halten. Im Anschluss daran besuchte sie die Ehemalige Synagoge in Kippenheim, wo die Theater-AG des Max-Planck-Gymnasiums Lahr die musikalisch-szenische Inszenierung „Sterne in der Finsternis“ gemeinsam mit der Kompositions-AG des Clara-Schumann-Gymnasiums Lahr aufführte. Bei diesem Besuch erhielt sie die Ehrenbürgerschaft Kippenheims in Anerkennung ihres herausragenden Engagements. Mit stehenden Ovationen überreichte Bürgermeister Matthias Gutbrod der sichtlich bewegten Inge Auerbacher in der Ehemaligen Synagoge die Urkunde.
Das Max-Planck-Gymnasium pflegt seit vielen Jahren eine enge Kooperation mit dem Förderverein der Ehemaligen Synagoge Kippenheim. Seit 2022 besteht darüber hinaus offiziell eine Bildungspartnerschaft, die historisch-politische Bildung am außerschulischen Lernort sowie in besonderer Weise Demokratiestärkung fördern soll.
Die Gedenk-, Lern- und Begegnungsstätte der Ehemaligen Synagoge Kippenheim ermöglicht den Lernenden dabei, Geschichte regional zu erfahren und aktiv zur Erinnerungskultur beizutragen – sei es durch (digitale) Führungen, Theateraufführungen oder Gedenkreden.
Auch der jährlich verliehene Kurt-Salomon-Maier-Geschichtspreis für herausragende Leistungen im Basisfach Geschichte ist Teil dieser Zusammenarbeit.
Einladung an die Öffentlichkeit
Der Vortrag von Inge Auerbacher findet am Freitag, 06.02.2026, in der Aula des Max-Planck-Gymnasiums Lahr (Max-Planck-Straße 12, 77933 Lahr) statt.
Einlass ist ab 11.20 Uhr, Beginn 11:30 Uhr.
Neben der Schulgemeinschaft (Klasse 9-12) ist auch die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen.
Bitte melden Sie sich für Ihre Teilnahme am Zeitzeugenvortrag über folgende E-Mail Adresse mit Ihrem Namen und Adresse an: ehemaligesynagogekippenheim@web.de
Weitere Informationen: www.ehemalige-synagoge-kippenheim.de
Instagram: @ehemaligessynagogekippenheim