„Wir treten den Geschichtslügen entgegen!“
Cornelsen Zukunftspreis für Demokratiestärkung und Digitalität im Geschichtsunterricht am Max-Planck-Gymnasium Lahr
Wie kann Schule junge Menschen befähigen, sich in einer digital geprägten Öffentlichkeit kritisch mit politischen Narrativen auseinanderzusetzen? Wie können sie lernen, historische Argumente zu prüfen, Fake News zu erkennen und revisionistische Geschichtsdeutungen zu hinterfragen?
Für ihren innovativen Ansatz zur Verbindung von Demokratiestärkung, historischem Lernen und digitaler Bildung wurden die Lehrkräfte Florian Hellberg und Nora Mussler vom Max-Planck-Gymnasium Lahr mit dem renommierten Cornelsen Zukunftspreis in der Kategorie Lehrkräfte ausgezeichnet. Die Jury würdigte damit ein Unterrichtskonzept, in dem Schülerinnen und Schüler mithilfe eines speziell entwickelten KI-Tutors namens mAxI lernen, extrem rechte und geschichtsrevisionistische Narrative kritisch zu analysieren und argumentativ zu widerlegen.
Demokratiestärkung in einer digitalen Öffentlichkeit
Der Ansatz verbindet zwei zentrale Herausforderungen schulischer Bildung: die Stärkung demokratischer Urteilskraft und den reflektierten Umgang mit digitaler Information. Gerade in sozialen Medien begegnen junge Menschen immer wieder vereinfachten oder bewusst verzerrten historischen Narrativen. Im Unterricht lernen sie deshalb, solche Deutungen zu erkennen, ihre Argumentationsstruktur zu analysieren und sie auf Grundlage historischer Quellen zu überprüfen. Gleichzeitig reflektieren die Schülerinnen und Schüler die Funktionsweise digitaler Medien, etwa die Rolle von Algorithmen, Social-Media-Mechanismen oder die Wirkung von Sprache. Auch der Umgang mit künstlicher Intelligenz selbst wird kritisch thematisiert: Die Lernenden diskutieren Chancen und Herausforderungen der Digitalität und entwickeln ein Bewusstsein für verantwortungsvollen KI-Einsatz.
KI als Dialogpartner im Lernprozess
Im Zentrum des Konzepts steht der KI-Tutor mAxI (ein Neologismus aus dem englischen Wort AI für künstliche Intelligenz und dem Namensgeber der Schule, dem Physiknobelpreisträger, Max Planck) – ein digitaler Dialogpartner, der Schülerinnen und Schüler im individuellen Lernprozess begleitet. Im Gegensatz zu vielen gängigen KI-Anwendungen, die im Unterricht häufig als Suchmaschinenersatz oder automatische Lösungsmaschine genutzt werden und damit eigenständige Denkprozesse verkürzen können, begleitet mAxI die Lernenden als dialogischer Partner im jeweiligen Lernprozess. Er regt die Lernenden dazu an, eigene Gedanken zu präzisieren, Argumente zu überprüfen und Quellen oder Aussagen kritisch zu hinterfragen. Ziel ist es, historisches Argumentieren und politische Urteilsfähigkeit schrittweise zu entwickeln. Dabei arbeiten die Schülerinnen und Schüler aber nicht isoliert mit ihren Tablets. Vielmehr wechseln sich Dialoge mit der KI, Diskussionen in der Klasse und gemeinsame Reflexionen mit der Lehrkraft ab. Die digitalen Impulse werden im Unterricht immer wieder aufgegriffen, gemeinsam diskutiert und kritisch eingeordnet.
Schulentwicklung zwischen Digitalität und Demokratiebildung
Das Unterrichtsprojekt ist Teil eines größeren Schulentwicklungsprozesses am Max-Planck-Gymnasium. In Arbeitsgruppen zu Digitalisierung und Digitalität entwickeln Lehrkräfte neue Unterrichtseinheiten, die demokratische Bildung und Lernen in einer Kultur der Digitalität miteinander verbinden. Unterstützt wird dieser Prozess durch eine moderne technische Infrastruktur mit 1:1-Tablet-Ausstattung, datenschutzkonformer KI-Nutzung sowie einer regen und verstetigten Bildungspartnerschaft mit dem Förderverein der Ehemaligen Synagoge Kippenheim. Der KI-Tutor mAxI wurde zunächst im Geschichtsunterricht pilotiert und wird inzwischen auch in weiteren Fächern erprobt.
Ein Preis als Ansporn für weitere Entwicklungen
Für die beiden Lehrkräfte ist die Auszeichnung zugleich Anerkennung und Verpflichtung. „Wir empfinden große Wertschätzung unserer bisherigen Arbeit durch diesen Preis und sehen diesen zugleich als Auftrag, auch zukünftig Demokratiestärkung und Digitalität im Unterricht zu verknüpfen.“
Florian Hellberg und Nora Mussler
Sehen Sie ergänzend hierzu hier das Video an.