Verweile doch! du bist so schön.
Frühjahr, Weimar! So lautet seit 2007 die einprägsame Formel für die Deutsch-LKs der JS1. Vom 23. bis 25. März 2026 begaben sich 32 Deutsch-LKler zusammen mit den Kurslehrkräften Frau Dr. Knittel und Herrn Geier auf die traditionelle Klassiker Fahrt nach Thüringen.
Das ehemalige Zentrum des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach wurde unter Anna Amalia und Carl August zum deutschen Kulturzentrum ausgebaut. Nach wie vor atmet man dort den Geist des klassischen Viergestirns, Wieland, Herder, Goethe und Schiller.
Zunächst wurde am Montagnachmittag ein literarischer Stadtrundgang unternommen, wo kursweise Kurzreferate zu wichtigen Stationen der Weimarer Stadt- und Literaturgeschichte gehalten wurden. Bereits da konnte man sehen, wie viele und nah beieinander liegende Highlights die Dichtermetropole zu bieten hat.
Am Dienstag wartete dann ein umfangreiches Besichtigungsprogramm auf uns. Da ist zunächst der weitläufige Ilmpark, der im Stil eines englischen Landschaftsparks das damals ganz neue Verhältnis zur Natur ausdrückte, ganz anders als die bis dato vorherrschenden Parks nach französischem Vorbild. Während einer aufschlussreichen Führung durch die Klassik Stiftung bekamen wir nicht nur Einblicke in die Konzeption des Parks, insbesondere die literarischen Bezugspunkte waren wertvoll. Goethes Gartenhaus, seine erste Weimarer Residenz, kommt auch heute noch ganz unprätentiös daher, vermittelt aber einen sehr guten Eindruck von Goethes ersten Jahren in Weimar - die Zeit vor der Italienreise. Von dort brachte Goethe ganz neue Ideen mit, die sich in Literatur, Kunst und Architektur widerspiegeln sollten. So zum Beispiel im Römischen Haus, das wir ebenfalls besichtigten. Es war das erste klassizistische Gebäude Weimars und verkörpert noch heute Goethes Reminiszenz an Italien.
Das Wohnhaus Friedrich Schillers an der Esplanade ist heute Teil eines Museumstraktes. Wir nahmen zunächst in Form einer Führung das Wohnhaus unter die Lupe und tauchten so in die Lebens- und Arbeitswelt des aus dem Schwäbischen stammenden Dichters ein. Goethe und Schiller - die Geschichte dieser Freundschaft (die es anfänglich überhaupt nicht war) konnte so nachempfunden werden. Ganz oben, in Schillers Arbeitszimmer, findet man die Szenerie rund um den Schreibtisch so vor, als sei der Dichter gerade eben verstorben. Die ebenfalls sich dort im Gebäudekomplex befindliche Sonderausstellung zum "Faust" konnten wir uns freilich auch nicht entgehen lassen.
Ganz anders Goethes Wohnhaus am Frauenplan. Der sehr repräsentative Bau mit Vorher- und Hinterhaus beeindruckte nicht nur durch seine Größe, allein schon das Treppenhaus ist ein Kunstwerk, von denen es im Innern eine schier endlose Zahl zu geben schien. Wir hatten insofern Glück, da das Dicherhaus ab dem kommenden Herbst umfangreich saniert wird und daher über Jahre leider nicht zugänglich sein wird.
Das benachbarte Goethe-Nationalmuseum ist ebenfalls ein reichhaltiger Schatz, den wir punktuell anhand einer weitere Führung erleben konnten.
Für viele war das Highlight in Weimar der Besuch der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek, genauer des Rokokosaales, der als UNESCO-Weltkulturerbe ein Erbe vergangener Zeit von Weltrang darstellt. Das moderne Pendant, das Studienzentrum der Bibliothek, dürft in unserem Besichtigungsprogramm freilich auch nicht fehlen.
Da für diesen Abiturjahrgang bzw. auch für die folgenden Jahrgänge bis 2029 das literarische Themenfeld im Abitur der Epocheumbruch um 1800 ist, bot es sich an, auf der Rückfahrt einen Halt in Frankfurt einzuplanen. Das Geburtshaus Johann Wolfgang von Goethes vermittelte deutlich, dass Goethe aus einer wohlhabenden Frankfurter Familie stammte, unser Hauptziel war aber das benachbarte Deutsche Romantikmuseum, wo der zweite Epochenschwerpunkt neben der Klassik auf uns wartet. Das moderne, eindrucksvolle Museum konnte uns diese Epoche und ihrer wichtigsten Vertreter auf vielfältige Weise näher bringen.
Martin Geier